Der Besuch begann mit einer Führung durch die erst 2023 errichteten, hochmodernen Produktionshallen. Ansgar Kleymann und seine Söhne, die beide tragende Säulen im Unternehmen sind, demonstrierten der Delegation die komplexen Abläufe der industriellen Pulverbeschichtung. Vom Einlauf der vorbereiteten Werkstücke in die Beschichtungskabine bis zur Ausfahrt eines fertig behandelten, leuchtend gelben Bauteils aus der Brennkammer erhielten Nahles und die weiteren Gäste einen praxisnahen Einblick in die Kernkompetenz des auf Oberflächentechnik spezialisierten Unternehmens.
Im anschließenden Gespräch zeichnete Ansgar Kleymann die beeindruckende Entwicklung des 1991 gegründeten Betriebs nach. Ein zentraler Wendepunkt war die strategische Neuausrichtung, um die anfängliche Abhängigkeit von einem einzigen Großkunden zu überwinden. Diese Entscheidung erwies sich als entscheidend für die Resilienz des Unternehmens, insbesondere als ein späterer Hauptkunde Insolvenz anmelden musste. Kleymanns Schilderungen illustrierten eine tief verwurzelte "Macher-Mentalität". Ob es um die Überwindung bürokratischer Hürden beim Bau der neuen Hallen ging oder um die flexible Reaktion auf Marktkrisen – das Unternehmen bewies sich stets als "Meister der Improvisation", wie Kleymann es formulierte.
Ein Kernthema des Besuchs war das herausragende Engagement der Firma für die Ausbildung und Nachwuchsförderung. Ansgar Kleymann schilderte detailliert seinen langjährigen und letztlich erfolgreichen Kampf für die Etablierung des Ausbildungsberufs "Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik" in der Region. Angesichts eines dramatischen Mangels an Fachkräften initiierte er eine branchenweite Initiative, bei der sich konkurrierende Betriebe zusammenschlossen, um gemeinsam für den Beruf zu werben. Das Ergebnis: Die Zahl der Auszubildenden in diesem Bereich konnte signifikant gesteigert werden. Projekte wie die "Generationenwerkstatt", in der erfahrene Ruheständler ihr Wissen an Jugendliche weitergeben, oder die Teilnahme am "Zukunftstag" unterstreichen den Willen, junge Menschen frühzeitig für die Chancen im Handwerk zu begeistern.
Das Wirken von Ansgar Kleymann reicht jedoch weit über die eigenen Werkstore hinaus. Sein breites ehrenamtliches Engagement als Handelsrichter, in der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer sowie im lokalen Kirchenvorstand und in Brauchtumsvereinen zeigt einen Unternehmer, der tief in seiner Heimat verwurzelt ist und gesellschaftliche Verantwortung aktiv übernimmt.
Im direkten Dialog mit Andrea Nahles wurde auch die Bürokratie als spürbares Wachstumshemmnis thematisiert. Gesine Kleymann, die im Unternehmen die Verwaltung verantwortet, schilderte praxisnahe Herausforderungen in der Kommunikation mit der Arbeitsagentur. Nahles erläuterte daraufhin die Strategie der "Kanalsteuerung" ihrer Behörde, die darauf abzielt, Anfragen effizienter zu lenken, und verwies auf das digitale Arbeitgeber-Portal als zentralen Kommunikationsweg, um Prozesse zu vereinfachen und zu beschleunigen.
Der Besuch bei der Kleymann GmbH hinterließ das Bild eines Vorzeigeunternehmens des deutschen Mittelstands. Der Betrieb steht exemplarisch für eine gelungene Verbindung aus technologischer Innovation, unternehmerischer Resilienz und einer tiefen gesellschaftlichen Verantwortung. In einer Zeit, in der Fachkräftemangel und Bürokratie die Wirtschaft belasten, zeigt das Familienunternehmen aus Werlte eindrucksvoll, wie durch Eigeninitiative, Kooperation und eine klare Zukunftsvision nachhaltiger Erfolg gestaltet werden kann.